Mütter zwischen Business und Mental Load

Wenn im Kopf nie Feierabend ist – Mütter zwischen Business und Mental Load

„Eigentlich läuft doch alles.“

Das war der erste Satz meiner Klientin, als sie ins Coaching kam. Sie führte ein kleines Team, hatte zwei Kinder im Kita- und Grundschulalter, und von außen betrachtet, funktionierte tatsächlich alles: die Präsentationen waren pünktlich fertig, die Kinder kamen morgens angezogen und mit Pausenbrot aus dem Haus, niemand hatte etwas zu beanstanden.

Und trotzdem saß sie abends auf dem Sofa und konnte nicht ankommen.

Die unsichtbare Liste im Kopf

Was in diesem ersten Gespräch sichtbar wurde, kennen viele berufstätige Mütter: eine Liste im Kopf, die nie ganz zu Ende geht. Wann ist der nächste Impftermin. Ob im Kühlschrank noch genug für die Kita-Brotdose ist. Wer heute abholt, wenn das Meeting länger dauert. Ob die Kollegin merkt, dass man gerade nicht ganz bei der Sache ist, weil man innerlich schon beim Abendprogramm der Kinder ist.

Dieses Phänomen hat einen Namen: Mental Load. Gemeint ist nicht die eigentliche Aufgabe – der Einkauf, der Arzttermin, die Präsentation –, sondern das ständige Mitdenken, Organisieren und Im-Blick-Behalten im Hintergrund. Es ist die Arbeit, die niemand sieht, weil sie nicht im Kalender steht, sondern im Kopf.

Mental Load erschöpft nicht, weil eine einzelne Aufgabe zu schwer wäre. Er erschöpft, weil er nie ganz aufhört. Es gibt keinen Moment, in dem wirklich nichts mehr zu bedenken ist – auch nicht im Urlaub, auch nicht am Wochenende, auch nicht, wenn gerade objektiv „Zeit für sich“ wäre.

Mama-Guilt: Nie ganz genug, an keiner Stelle

Zum Mental Load gesellt sich häufig ein zweites Gefühl: die Sorge, es niemandem wirklich recht zu machen. Im Job das Gefühl, nicht mehr die volle Leistung bringen zu können wie vor den Kindern. Zu Hause das Gefühl, gedanklich zu oft bei der Arbeit zu sein, wenn man eigentlich präsent sein möchte.

Viele meiner Klientinnen beschreiben es als ein ständiges Pendeln zwischen zwei Rollen – und in beiden das leise Gefühl, nicht ganz auszureichen. Interessanterweise ist dieses Gefühl selten an konkreten Fakten festzumachen. Die Kinder sind versorgt, glücklich, die Arbeit wird gut gemacht. Und trotzdem bleibt das Gefühl.

Das liegt oft an einem Glaubenssatz, der lange vor der Mutterschaft entstanden ist: Ich muss es allen recht machen. Oder: Ich darf niemanden enttäuschen. Als Mutter im Beruf trifft dieser alte Antreiber auf doppelt so viele Menschen, denen man gerecht werden möchte – und wird dadurch doppelt so laut.

Der Wiedereinstieg – und die Frage, wer man jetzt eigentlich ist

Eine weitere Facette, die im Coaching immer wieder auftaucht: der Wiedereinstieg nach der Elternzeit. Nicht selten kehren Frauen in eine Position zurück, die sich plötzlich anders anfühlt als vorher – nicht, weil sich die Aufgabe verändert hat, sondern weil sie selbst sich verändert haben.

Manche merken, dass sie beruflich Dinge anders gewichten als früher. Andere spüren eine Unsicherheit, die sie vorher nicht kannten: Bin ich noch auf dem neuesten Stand? Traut man mir nach der Pause noch dasselbe zu? Will ich überhaupt zurück in dieselbe Rolle – oder hat sich auch mein beruflicher Wunsch verändert?

Diese Fragen sind kein Zeichen von Unfähigkeit. Sie sind ein Zeichen davon, dass sich mit der Mutterschaft auch die eigene Identität weiterentwickelt hat – und dass es einen Moment braucht, um beide Seiten, die berufliche und die mütterliche, neu miteinander in Einklang zu bringen.

Wie wir im Coaching daran arbeiten

Im Coaching schauen wir zunächst darauf, was tatsächlich hinter der Erschöpfung steckt: Ist es der Mental Load selbst – die Menge an unsichtbarer Denkarbeit? Ist es ein Glaubenssatz wie „Ich muss es allen recht machen“, der beide Rollen gleichzeitig unter Druck setzt? Oder ist es ein innerer Antreiber wie „Sei perfekt“ oder „Streng dich an“, der in beiden Lebensbereichen gleichzeitig mitspricht?

Mit Methoden aus dem NLP und der Systemik schauen wir auf die unterschiedlichen inneren Anteile, die in dieser Situation mitreden – die Mutter, die Führungskraft, die Kollegin, die Partnerin. Nach Schulz von Thun lässt sich das als inneres Team verstehen: Stimmen, die oft gegensätzliche Anliegen haben und die gehört werden wollen, statt sich gegenseitig zu blockieren.

Konkret bedeutet das häufig:

  • Mental Load sichtbar machen – benennen, was tatsächlich an unsichtbarer Denkarbeit anfällt, um es überhaupt erst besprechbar und teilbar zu machen.
  • Glaubenssätze hinterfragen, die beide Rollen gleichzeitig unter Druck setzen, und ihnen bewusst eine neue Antwort geben.
  • Prioritäten neu ordnen – nicht nach dem, was „man“ tun sollte, sondern nach dem, was dir und deiner Familie wirklich entspricht.
  • Grenzen setzen – gegenüber dem Job, gegenüber der eigenen Erwartungshaltung, manchmal auch gegenüber gut gemeinten Ratschlägen aus dem Umfeld.

Das Ziel ist nicht, in beiden Rollen perfekt zu funktionieren. Das Ziel ist, eine Version von Beruf und Mutterschaft zu finden, die sich für dich stimmig anfühlt – auch wenn sie nicht dem entspricht, was von außen erwartet wird.

Ankommen, statt nur zu funktionieren

Meine Klientin von damals hat im Laufe des Coachings vor allem eines verändert: Sie hat aufgehört, ihre Erschöpfung als persönliches Versagen zu interpretieren. Der Mental Load war nicht verschwunden – aber sie hatte gelernt, ihn zu benennen, ihn teilweise abzugeben und sich selbst Momente zuzugestehen, in denen wirklich einmal nichts zu organisieren war.

Vielleicht kennst du dieses Gefühl, ständig zu funktionieren, ohne wirklich anzukommen. Dann lohnt es sich, nicht an der Oberfläche – noch mehr Organisation, noch mehr Struktur – anzusetzen, sondern dort, wo die eigentliche Erschöpfung entsteht.


Wenn dich das anspricht: Im Themenraum Frauen im Business begleite ich Frauen dabei, ihre Rolle bewusst zu gestalten – beruflich wie persönlich.

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