„Eigentlich weiß ich, dass ich das kann.“
Diesen Satz höre ich immer wieder.
Nicht von Menschen, die unvorbereitet sind, denen es an Erfahrung fehlt oder die sich nie mit einem Thema beschäftigt haben.
Sondern von Menschen, die längst bewiesen haben, was sie können.
Menschen, die Verantwortung tragen, die gute Arbeit leisten und die Probleme lösen.
Die von anderen um Rat gefragt werden und die trotzdem immer wieder an sich zweifeln.
Vor einiger Zeit erzählte mir eine Klientin von einem beruflichen Termin.
Sie sollte etwas präsentieren, das sie selbst entwickelt hatte.
Sie kannte das Thema in- und auswendig und sie war gut vorbereitet. Trotzdem lag sie in der Nacht davor wach. Nicht, weil sie etwas vergessen hatte oder weil sie unfähig gewesen wäre, sondern weil sie Angst hatte, nicht gut genug zu sein.
Als wir darüber sprachen, sagte sie irgendwann:
„Es ist verrückt. Wenn jemand anderes das gemacht hätte, würde ich denken: Natürlich kann die das. Aber bei mir fühlt es sich anders an.“
Dieser Satz blieb mir im Kopf.
Denn genau darin steckt etwas, das viele Menschen kennen.
Wir beurteilen andere oft nach dem, was sie tun. Uns selbst beurteilen wir nach dem, was wir fühlen.
Und Gefühle sind nicht immer besonders objektiv. Jemand kann kompetent sein und sich unsicher fühlen. Erfahren sein und trotzdem zweifeln. Anerkennung bekommen und sich trotzdem fragen, ob sie wirklich verdient ist.
Von außen betrachtet wirkt das manchmal widersprüchlich. Von innen fühlt es sich oft völlig logisch an.
Vielleicht kennst du das – du erreichst etwas und denkst sofort an das, was noch fehlt. Du bekommst ein Kompliment und erklärst, warum es eigentlich nicht so besonders war. Du vergleichst dich mit Menschen, die weiter sind als du. Du konzentrierst dich auf Fehler und übersiehst vieles, was längst gelingt.
Oder du wartest darauf, endlich sicher genug zu sein, bevor du den nächsten Schritt gehst.
Was mich daran immer wieder fasziniert:
Die Menschen mit den größten Selbstzweifeln sind häufig nicht diejenigen, die sich am wenigsten reflektieren, oft ist es genau andersherum.
Sie hinterfragen sich, sie wollen Dinge gut machen. Sie übernehmen Verantwortung, sie denken nach und sie sehen ihre Schwächen.
Manchmal so deutlich, dass sie ihre Stärken kaum noch wahrnehmen.
Vielleicht liegt darin ein Teil des Problems.
Wer sehr reflektiert ist, findet immer noch etwas, das verbessert werden könnte.
Noch eine Weiterbildung, noch mehr Erfahrung, noch mehr Vorbereitung, noch mehr Sicherheit.
Doch irgendwann wird aus diesem Streben etwas anderes.
Eine ständige Verschiebung des eigenen Vertrauens.
Als läge die Erlaubnis, sich selbst zuzutrauen, immer knapp hinter der nächsten Hürde.
Menschen gewinnen Selbstvertrauen nicht, weil plötzlich alle Zweifel verschwinden.
Sie gewinnen es, weil sie anfangen, sich trotz ihrer Zweifel zu vertrauen.
Die Zweifel anzuerkennen und zu sehen, dass sie eine Berechtigung haben oder vielleicht einmal hatten – dass sie eine positive Absicht haben und daher da sein dürfen – nur so stark, dass sie handlungsunfähig machen.
Das ist ein Unterschied.
Vertrauen entsteht nicht durch Nachdenken.
Es entsteht durch Erfahrung, durch kleine Schritte, durch Situationen, in denen wir handeln, obwohl wir uns noch nicht vollkommen sicher fühlen. In denen wir eine positive Erfahrung erleben und fühlen, in denen sie in unser Unbewusstes eindringen kann und die Zweifel befrieden kann.
Durch die spürbare Erkenntnis:
Ich darf unsicher sein und trotzdem meinen Platz einnehmen.
Es geht gar nicht darum, die Selbstzweifel vollständig loszuwerden.
Es geht darum, ihre Stimme nicht länger für die Wahrheit zu halten, sie nicht zu groß sein zu lassen.
Ich frage Menschen im Coaching:
„Angenommen, du sprichst darüber mit deiner Freundin – würdest du mit ihr so sprechen, wie du mit dir selbst sprichst?“
Die Antwort lautet fast immer Nein.
Die meisten Menschen erlegen sich selbst einen Maßstab auf, den sie bei niemand anderem anlegen würden.
Und genau dort beginnt die Veränderung.
Nicht indem wir noch mehr leisten oder indem wir uns endlich beweisen.
Sondern indem wir lernen, das zu sehen, was leise in uns ist:
unsere Erfahrung, unsere Fähigkeiten, unsere Kompetenz.
Und daraus den Mut entwickeln, uns wieder mehr zu vertrauen.
Und gleichzeitig anzuerkennen, dass die Zweifel auch mit am Tisch sitzen dürfen, nur leiser.

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